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Sagen und Legenden aus Alt-Rothenburg

(entnommen aus "Rothenburg o.T. Ein Führer durch die Stadt und deren Sehenswürdigkeiten" Bearbeitet durch Dr. Ulrich Thürauf, 4. verbesserte Auflage, Verlag Max Eichingers Hofbuchhandlung Ansbach)

 

Der Essigkrug

Auf steiler Höhe über dem Taubertal stand Herzog Pulvemund, denn er gedachte, seine fränkischen Ansiedlungen durch eine feste Burg gegen die räuberischen Alemannen zu beschützen. Wie er nun sah, dass der Hügel auf drei Seiten so gar schroff und unzugänglich sei, sprach er freudig: "Den Schwaben will ich ein Krüglein hinstellen mit so scharfem Essig, dass sie sich die Zähne daran verderben, wenn sie herüberkommen."

Da nannte man die neue Burg: den "Essigkrug".

Der Kappenzipfel

Die Bürger von Rothenburg gingen den Kaiser Albrecht oftmals mit Bitten an, er möge ihnen gestatten, das reiche Hospital zum Heiligen Geist in ihre Mauern einzuschließen. Lange weigerte sich der Kaiser, weil die Stadt durch die Erweiterung zu schwer zu verteidigen sei. Endlich, als die Bürger nicht nachließen, sagte er ärgerlich: "Sieht eure Stadt schon aus wie eine Schlafkappe, so mag dieses der Zipfel daran sein." Danach nannte man den neune Anbau den "Kappenzipfel".

Des Pfarrherrn Bann

Mit der gefürchteten "schwarzen Schar" der Rothenburger Bauern zog eine Zeit lang während des Krieges auch Hans Stöcklein, Pfarrer zu Neusitz. Als man seiner habhaft geworden, schlug man ihm zwar nicht, wie vielen seiner Genossen, das Haupt ab, ließ ihn aber mit Ruten peitschen, brannte ihm ein Kreuz auf die Stirne und beurphedete (verbannte) ihn über den Rhein. Denn er sollte den Bauern, welche die Stadt zu überrumpeln gar große Lust trugen, wenn sie es nur vermocht hätten, glaublich gemacht haben, "er könne einen Nebel machen und dadurch 300 Mann unbemerkt durch die Tore in die Stadt hinein praktizieren".

Der arme Seyfried

Es war vor Zeiten ein Bürger, Seyfried Hornburg, ein reicher und mächtiger Mann, welcher mit kaiserlicher Majestät wohl bekannt, der Stadt viele Freiheiten erwarb. Er war Bürgermeister und gewaltig im Rat, geriet aber endlich in solche Armut, dass ihm die Ratsfreunde aus Mitleid eine Pfründe im Hospitale verliehen. Er starb aber vor Kummer noch desselbigen Tages, so dass er von der Pfründe nichts genoss.

Die arme Seele

Die Rothenburger hatten niemals viel vom Teufel gehalten, weil er sich damals, als er mit gewaltigem Steine heran geflogen kam, von einem alten Weibe überlisten ließ. Wie er aber seinen Weg endlich doch hierher gefunden hatte und diese Verachtung merkte, wollte er seine Macht glänzend dartun. Als einmal ein Bäuerlein an einem heiligen Tage durch den Torweg unter der Hauptkirche fuhr und dabei gräulich fluchte, fuhr der Böse plötzlich aus einer der beiden Türen im Torwege heraus und warf den Mann hoch hinauf an die Wand des Gewölbes. Der Leichnam fiel zwar herunter, aber die arme Seele blieb an der Wand hängen, wo sie bis auf den heutigen Tag noch kenntlich ist. Sie sieht braun aus, etwas mit schwarzen Flecken versetzt.

Die Bäckertaufe wird an den Reichsstadt-Festtagen in der Herrngasse nachgestellt.
Die Bäckertaufe wird an den Reichsstadt-Festtagen in der Herrngasse nachgestellt.

Der Bäcker List

Zu der Zeit, da der gewaltige Toppler Bürgermeister zu Rothenburg war, geschah es, dass die Kriegsvölker des Bischofs von Würzburg und des Burggrafen von Nürnberg, sowie dieser selbst mit vielen Heeren, als den Herzogen Heinrich, Ludwig und Hans von Bayern, dem Grafen Ulrich von Württemberg usw., acht Wochen lang vor der Stadt lagen, sie gar hart bedrängten und, da jeder Sturm heldenmütig abgeschlagen ward, endlich auszuhungern trachteten. Doch auch das fruchtete nicht; die Stadt zeigte sich unter Topplers umsichtiger Leitung stets kräftig wie zuvor. Als nun auf des Kaisers Geheiß Friede ward und mit des Rates Erlaubnis die gestrengen Herren in die Stadt einritten, da verwunderten sie sich gar höchlich des vielen schönen Brotes, das in den Läden der Bäcker aufgehäuft zu sehen war, und sprachen zueinander: "Traun, wie müssten noch lange vergebens vor dem Städtlein gelegen sein, sollten wir es ausgehungert haben!" Das war aber eine feine List der ehrsamen und weit berühmten Bäckerzunft zu Rothenburg, um die Herren zu täuschen. denn schon waren die Vorräte an Mehl usw. fast aufgezehrt und man hatte in der Tat das letzte genommen, nur um den Herren glauben zu machen, die Unterhaltsquellen der Stadt seien noch lange nicht erschöpft.

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